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Fragen “Fragen (ein fiktives Interview)”

Immer wieder mal werden einem Fragen gestellt, vor allem, wenn man so viel erlebt hat wie ich und so viele unterschiedliche Dinge tut und getan hat. Außerdem habe ich festgestellt, dass Leser sehr gerne auch etwas über den Autor wissen möchten. Über seine Vorlieben, wie er zum Schreiben gekommen ist und was nicht noch alles. Um ein bisschen die erste Neugierde, die Sie verehrter Leser vielleicht plagt, zu befriedigen, habe ich mir ein fiktives Interview ausgedacht. Und – voilá, hier ist es.

  • Mögen Sie Filme, die auf Romanen basieren?

Das kommt darauf an. Normalerweise lese ich lieber, weil dann meine Phantasie einen größeren Spielraum hat. Und manche Romanverfilmungen sind eher ärgerlich, weil von dem Roman nichts mehr zu erkennen ist. Allerdings habe ich auch einmal das Gegenteilige erlebt. Ich sah eine Verfilmung von Dostojewskis „Der Spieler“, die mich beeindruckte, dann erst las ich das Buch. Und kam mit der Langatmigkeit der Russen – zumindest in dem Fall – nicht klar. Ich bin aber eher ein Leser als ein Kinogänger. Nur selten bringt mich ein Film zu einem Buch, wie eben bei Dostojewski oder bei „Wiedersehen mit Brideshead“. Da hat mir beides gefallen, Film und Buch. Und dann gab es einen wundervollen Zeichentrickfilm, den ich damals auf keinen Fall verpassen wollte: Nils Holgerson von Selma Lagerlöff.

  • Wie entsteht bei Ihnen ein neuer Roman?

Das ist unterschiedlich. Bei meinem ersten Versuch – bis jetzt ist das auch ein Versuch geblieben – las ich ein Sachbuch über die Jungsteinzeit in England. Plötzlich sah ich die Menschen so deutlich, dass der Plot für einen Roman entstand, einfach so. Manchmal ist es eine Nachricht, die ich höre, und dann werden daraus einzelne Menschen, so ist es bei „Gülan und Andran“ geschehen. Und dann wieder kommen einfach mehrere Dinge zusammen und die Idee ist da, das war so bei „Feder und Harfe“ und bei „Die Herrin der heilenden Kräuter“. Inzwischen ist es fast wie eine schamanische Reise, ich sehe regelrecht einzelne Handlungen und es drängt mich so lange, bis ich es aufgeschrieben habe. Das ist wie bei einem Maler, der ein Bild im Kopf erst loswird, wenn er es gemalt hat.

  • Was möchten Sie noch erreichen?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Natürlich möchte ich viele Menschen mit meinen Büchern erreichen. Für den Verlag wünsche ich mir ein breites Spektrum, auch mit fremden Autoren. Und ansonsten lasse ich es einfach fließen und lasse mich überraschen, wo mich das alles noch hinführt.

  • Worüber schreiben Sie am liebsten?

Na klar, über Menschen. Und natürlich am liebsten über Themen, die mich selber bewegen. Entsprechend ändern sich auch die Themen im Laufe der Zeit. Ich könnte auch sagen, ich schreibe am liebsten über Dinge, die sich auf poetische Art und Weise darstellen lassen. Oder aber: ich schreibe so, wie früher Geschichten erzählt wurden. Dabei fällt mir immer Oscar Wilde ein, der als Geschichtenerzähler noch weit besser gewesen sein soll denn als Schriftsteller. Ich hätte ihm gerne einmal zugehört.

  • Was würden Sie gerne besser können?

Zeichnen. Ich habe zwar ein gutes Gespür für Farben und malen ist inzwischen eine weitere Leidenschaft von mir. Aber leider habe ich nie wirklich richtig zeichnen gelernt.

  • Wie reagieren Sie auf Kritik?

Kommt darauf an von wem und wie sie geäußert wird. Manche Kritik amüsiert mich eher, vor allem wenn ich merke, dass der Kritiker mich gar nicht verstanden hat. Das ist mir mal passiert, als ich meine Manuskripte verschickt habe. Ich habe mich auch schon mal betroffen gefühlt, wenn ich spürte, dass sie ungerechtfertigt war. Jahre später fand ich die Erklärung: die Person war neidisch auf das, was ich geschrieben hatte – da muss man auch erst mal drauf kommen. Auf konstruktive Kritik, vor allem von Freunden, reagiere ich mit Korrektur, wenn es mir passend erscheint. Ich korrigiere vor allem dann, wenn ich merke, dass ein Leser nicht verstehen kann, was ich aussagen wollte. Das kommt – wenn auch selten – schon mal vor.

  • Welche Schriftsteller sind für Sie wichtig?

Eine ganze Reihe klassische wie Shakespeare, Rilke, Eichendorff, Lessing, Goethe, Schiller, ganz besonders aber eine Reihe englische wie Hardy, Dickens, die Brontë und Oscar Wilde (ich weiß, ich weiß, er ist Ire!).

  • Welche lebenden Schriftsteller beeindrucken Sie?

Günter Grass, vor allem wegen seiner vielfältigen Begabung. Dann natürlich J.K. Rowling, denn diese Frau kann wirklich schreiben.

  • Welches ist Ihr liebster Roman?

Einen Lieblingsroman gibt es nicht, zu viele gefallen mir. Aber Jane Eyre und Der Bürgermeister von Casterbridge haben mich schon sehr beeindruckt. Hardy war für eine Zeit lang mein liebster Autor, das hat sich inzwischen ein bisschen relativiert, auch wenn ich ihn immer noch gerne lese.

  • Wer ist Ihr Lieblingsmaler?

Ich liebe die Bilder der Impressionisten, aber mein wirklicher Liebling ist Giorgione. Das hat ganz besondere Gründe. Wer darüber mehr wissen möchte, sollte meinen Roman: „Im Kreis der Ausdrücke“ lesen, an dessen Manuskript ich zurzeit arbeite.

  • Was ist Ihre Lieblingsmusik?

Klassische Musik, Caravans von Mike Batt und Loreena McKennitt.

  • Was ist Ihr Lieblingskunstwerk?

Die drei Philosophen von Giorgione, auch wenn der Titel bescheuert ist. Das Werk ist nicht nur schön, sondern hat eine ganz tiefe Aussage – auch darüber steht etwas in meinem oben genannten Roman. Außerdem gefällt mir die Anna Selbdritt von Leonardo – wieder ein Titel, der dem Werk nicht gerecht wird. Das Lächeln dieser Frauen ist für mich umwerfend.

  • Welches Land würden Sie gerne kennen lernen?

Neuseeland. Ich wäre schon längst da gewesen, wenn es nicht so weit weg liegen würde.

  • Was tun Sie außer Schreiben am liebsten?

Ich koche leidenschaftlich gerne – und vielleicht gibt es ja irgendwann auch ein Kochbuch von mir. Ich liebe es, mit Conny zusammen schamanische Seminare zu geben. Und ich genieße das Leben, so wie es gerade kommt.

  • Was bedeutet für Sie Schönheit?

Eine Blüte, die sich gerade öffnet, ein Regenbogen am wolkenzerfetzten Himmel, Sonne, die auf Regentropfen fällt, manche gotische Kathedrale, meine Magnolie, wenn sie voll in der Blüte steht.

  • Was ist Ihr Motto?

Da gibt es mehrere: „Das Leben ist wie eine Decke ein Gewebe aus vielen bunten Fäden.“ „Leben und leben lassen“ und die schönen kölschen Sprüche wie: „Jeck loss Jeck elans (Für Nichtkölner: Jeck lass die anderen Jecken so wie sie sind. Und ich glaube, Jeck muss ich nicht übersetzen!)

  • Wo würden Sie am liebsten leben?

In einem Cottage in England, inmitten einer Hügellandschaft, nahe dem Meer und mit einer eigenen Quelle im Garten.

  • Welches Buch hat Sie in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Song of Waitaha. Ein Buch, in dem die Mythen und Heiligen Gesänge der Urbevölkerung Neuseelands enthalten sind. Diese Menschen wohnten schon in Neuseeland, ehe die Maoris es für sich eroberten. Und ihre Gesänge singen für mich vom Garten Eden.

  • Wie sind Sie überhaupt zum Schreiben gekommen?

Geschrieben habe ich eigentlich immer schon. Da ich aber schlechte Aufsatznoten in der Schule hatte, wäre ich damals nie auf die Idee gekommen, etwas für andere zu schreiben – außer Briefe, die ich schon immer gerne schrieb. Als ich arbeitslos wurde, merkte ich, dass mir lesen alleine nicht mehr reichte. Und als ich dann professionell schreiben lernte, ja da war natürlich auch der Gedanke, es nicht nur für mich zu tun.

  • Welche Romane haben Sie in letzter Zeit gelesen?

Von Adèle Geras „Die Windtänzerin“ und „Sommerlicht“, dann wieder einmal Kinderbücher, die Märchen von Hauff und von Rafik Schami: „Erzähler der Nacht“. Aus aktuellem Anlass habe ich noch mal nach langer Zeit das Tagebuch von Samuel Pepys durchgeblättert und wieder kam mir der Gedanke – mein Gott, was hatten die damals Zeit. Und zwischendurch nehme ich immer wieder ein paar der uralten Romane aus dem Bücherschrank meiner Mutter, in letzter Zeit war es hauptsächlich Ganghofer. Interessant, diesen Autor mit heutigen Augen zu lesen.
Außerdem habe ich eine Krimientdeckung gemacht. Die Serie gibt es zwar schon länger, war aber an mir vorbei gegangen: die Fidelma-Reihe von Peter Tremayne. Sehr interessant, was ich da über das alte Irland lerne!
Und dann habe ich mir nach langer Zeit auch Oscar Wilde wieder hervor geholt. Einen Abend bin ich doch tatsächlich in seinen Briefen versunken und es ist furchtbar spät geworden.

  • Was hat Sie literarisch am meisten geprägt?

Shakespeare, die deutschen Klassiker und die englischen: Hardy, die Brontës, Dickens und Oscar Wilde.

  • Was beeindruckt Sie bei der so genannten Unterhaltungsliteratur?

Wenn es gut geschrieben ist, die Leichtigkeit. Und bei Engländern, die ich sowieso liebe, ihren köstlichen Humor. Ich bewundere, wie eine Georgette Heyer es schafft, einen Kriminalroman zu schreiben, der sowohl spannend als auch humorvoll ist.

  • Könnten Sie sich vorstellen, auch fürs Fernsehen zu schreiben?

Diese Frage kann ich nicht wirklich beantworten. Sagen wir mal: theoretisch Ja, praktisch zurzeit Nein. Ich muss gestehen, dass das Fernsehen überhaupt nicht mein Metier ist, ich besitze noch nicht mal eines. Andererseits weiß ich, dass sich manchmal die seltsamsten Dinge ergeben, deshalb kommt vielleicht doch irgendwann die Zeit.

  • Sie arbeiten auch schamanisch. Wirkt sich das auf Ihre Arbeit als Schriftstellerin aus?

Unbedingt. Zum einen ist schamanisches Wissen hilfreich, wenn ich einen Durchhänger habe, manche nennen das auch eine Schreibblockade. Ich würde das nie so nennen. Ich weiß, es gibt eine Zeit, zu Schreiben und eine Zeit, etwas anderes zu tun. Schließlich bin ich ja nicht nur Schriftstellerin. Außerdem lebe ich – so weit wie möglich – in meinem Fluss, das bedeutet, dass ich nichts versuche zu erzwingen. Letzteres führt meistens zu dieser so genannten Schreibblockade. Und dann kenne ich natürlich ausreichend Techniken, um mich wieder in die Mitte zu bringen, sollte ich denn doch einmal rausgerutscht sein. Was aber in meinen Augen noch wichtiger ist, ist die Tatsache, dass ich inzwischen die meisten Texte in einer Art schamanischen Zustand schreibe, man könnte ihn auch als Schaffensrausch bezeichnen. Das erlebe ich sehr stark bei dem Roman, an dem ich gerade arbeite. Er entsteht auf eine vollkommen neue Art. Es gibt Tage, da schleiche ich um das nächste Kapitel wie die Katze um den heißen Brei, und dann wieder, wenn ich es angefangen habe, kann ich gar nicht mehr aufhören. Das kenne ich zwar auch von früheren Büchern, doch der Unterschied ist, dass ich vorher fast nichts darüber weiß, was in dem Kapitel stehen wird. Vielleicht werde ich an anderer Stelle darüber einmal genauer berichten.

  • Gibt es etwas, dass Sie auf keinen Fall schreiben würden?

Das ist nicht leicht zu beantworten. Es gibt Romanarten, die ich selber nicht lese, dazu gehören Horrorromane, die tue ich mir einfach nicht an, Science Fiction, wenn es zu technisch wird und alles, was mir zu seicht ist. Ich lese allerdings durchaus gerne – manchmal sogar sehr gerne – so genannte Unterhaltungsliteratur.
Und damit ist auch klar, was ich nicht schreiben würde. Es gibt allerdings auch Genres, die ich selber sehr gerne lese, aber von denen ich früher dachte, das sei nicht mein Ding. Als erstes wurde ich bei Gedichten eines Besseren belehrt. Dann hätte ich mir nie vorstellen können, einen Krimi zu schreiben, und inzwischen schreibe ich an einem Roman, der dem schon nahe kommt. Tja, und zurzeit kann ich mir noch nicht vorstellen, ein Drama zu schreiben. Aber wer weiß?
Allerdings wird es von mir weder Action-Thriller geben noch Horrorgeschichten, wer ein Buch nur wegen des Kitzels von Mord oder Folter lesen will, wird von mir nicht bedient. Und ich finde es im Übrigen schade, wenn ein eigentlich interessantes Buch gegen Ende plötzlich in James Bond Manier daher kommt – ist mir letztens beim Lesen einen Krimis passiert und ich fand den Schluss einfach nur ärgerlich.

  • Kontakt

Wenn Sie jetzt noch Fragen an mich haben, nur zu, vielleicht wird dann diese Seite ja noch ein bisschen länger. Im Moment wollte mir einfach nicht mehr einfallen. Das passiert eben auch einem Schriftsteller schon mal. Melden Sie sich einfach über das Kontaktformular und stellen Sie die Frage, die Sie gerne beantwortet hätten.

 

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