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So weit ich mich zurück erinnern kann, spielten Bücher in meinem Leben eine große Rolle. Die ersten waren die dicken Märchenbücher, aus denen mir meine Großmutter vorlas, wovon ich nie genug bekommen konnte. Laut meiner Mutter habe ich am Ende jeder Geschichte gesagt: „Noch eine.“
Zu den Kinder- und Jugendbüchern, die man mir schenkte, kamen die meiner Mutter und anderer Verwandter hinzu, nahezu ausschließlich in der alten Schrift, die ich heute noch mit Leichtigkeit lesen kann. Immer, wenn ich ein solches Buch zur Hand nehme – manche schon so zerfleddert, dass ich aufpassen muss, dass nichts verloren geht – habe ich das Gefühl, in eine alte Zeit einzutauchen.
Nach der Schulzeit – ich hatte gerade mit meinem Biologiestudium begonnen – hatte ich einen regelrechten Heißhunger auf Klassiker, vor allem auf die Dramen, die ich wie Romane las. Und immer wieder kamen Märchenbücher – jetzt aus aller Welt – hinzu.
Selbst in späteren Jahren, ja manchmal noch heute, kaufte ich mir ein Kinder- oder Jugendbuch. So erwarb ich erst als Erwachsene: Alice im Wundeland, Peterchens Mondfahrt, den Wind in den Weiden, Bücher von James Krüss und Michael Ende. Die Liste könnte ich noch viel länger werden lassen. Vielleicht komme ich irgendwann einmal dazu, eine solche zu erstellen und hier auf die Website zu setzen.
Als ich Anfang der Neunziger Jahre arbeitslos wurde, merkte ich, dass das Lesen alleine mir nicht mehr ausreichte. Also begann ich zu schreiben. Was so nicht ganz stimmt: ich hatte auch vorher geschrieben, aber immer nur kurze Texte und nur für mich. Doch damals plante ich einen Roman, der mir nicht so leicht von der Hand ging, obgleich ich vieles vor meinem inneren Auge sah. Deshalb lernte ich Schreiben professionell in einem Fernstudium. Und dann saß ich eines Tages auf den Fluren des Arbeitsamtes und es dauerte und dauerte. Zum Glück hatte ich Stift und Papier mit – anders als J.K. Rowling – und vorher schon eine Idee gehabt. Jetzt konnte ich die Einzelheiten notieren. Daraus entstanden ist der Märchenroman „Feder und Harfe“, der als erstes Buch im Schalita-Verlag erschienen ist.
Inzwischen war das Schreiben für mich zu einer Leidenschaft meines Herzens geworden. Manche Situation, die ich erlebte, erweiterte sich in meinem Inneren zu einer Geschichte. Manche Geschichte, die mir meine Mutter von früher erzählte, ließ sich zu einer Erzählung ausbauen. Und dann war auf einmal Pause. Ich pflegte meine Mutter und hatte kaum Zeit für mich, entdeckte aber für mich den Schamanismus. Jetzt erlebte ich oft Geschichten in meinen schamanischen Reisen und ich schrieb alles auf, so wie ich vorher Geschichten geschrieben hatte.
Nachdem meine Mutter in ein Heim gekommen war, flossen auf einmal auch wieder die Geschichten. Und nun viel leichter und eleganter. Kein mühsames Ausdenken oder Konstruieren mehr. Manchmal reichte es, einen Stift in die Hand zu nehmen und zu sagen: Ich bin bereit – und schon floss es. Und als ich meinen Freunden vorlas oder das Manuskript zu lesen gab, kamen immer wieder Hinweise, wie gut ihnen das alles gefiel. Das erste Buch, was damals entstand, war: „Schamanismus und Lichtarbeit“, ein Zusammentragen all dessen, was ich in den letzten fünfzehn Jahren gelesen, gehört, gelernt und verarbeitet habe. Inzwischen war mir klar geworden, dass es bei mir nicht nur ums Schreiben geht, sondern auch darum, die Bücher – im eigenen Verlag – zu veröffentlichen. Und so wagte ich den Sprung und – voíla, der Schalita-Verlag war geboren.
Irgendwann – in nicht allzu ferner Zukunft – habe ich vor, hier an dieser Stelle ein bisschen mehr darüber zu plaudern, wie denn nun so ein Buch entsteht. Denn das Schreiben alleine ist es ja nicht. Es kommen so viele Dinge zusammen, von dem ersten Moment, da eine Idee dich nicht mehr loslässt, bis hin zu dem fertigen Buch, das du in der Hand hältst. Und das ist ja noch nicht einmal das Ende.
Dazu möchte ich schon einmal zwei kleine Begebenheiten schildern. Es zeigt, was so passieren kann, wenn ein Schriftsteller auch Verleger ist und noch andere Dinge tut – schließlich gebe ich ja zusammen mit meiner Freundin Conny auch schamanische Seminare. Nun, als der Verlag gegründet war, sah ich mir alle Manuskripte an, die sich so im Laufe der Zeit angesammelt hatten und überlegte, was ich wann veröffentlichen wollte. Ein Roman war erst zur Hälfte fertig und da gab es auch noch eine Reihe Ideen für weitere Erzählungen. Inmitten dieser Planung platzte der Plot zu einem neuen Roman. Ich beschloss, das Grundgerüst zu notieren und dann alles auf Seite zu legen. Doch jeden Abend, wenn ich mit der anderen Arbeit fertig war, sah mich das Notizbuch vorwurfsvoll an, als wolle es sagen: „Ich bin aber zuerst dran“. Ich murmelte dann immer: „Ja, ja, du kommst auch noch dran, aber erst mal die anderen.“ Das hatte ich aber auch nur gedacht. Mittlerweile ist dieser Roman weiter gediehen, als der, den ich schon vor Jahren angefangen habe.
Tja und dann las ich Ende des Jahres 2007 von der Versteigerung der handgeschriebenen Märchen von J.K. Rowling. Ich spürte sogleich den Wunsch in mir, so etwas auch zu machen. Mir selber – und nur mir – ein Märchenbuch zu schreiben, mit der Hand. Wochen vorher hatte ich mir ein besonders hübsches Notizbuch gekauft, ohne zu wissen warum. Nun – so dachte ich – das ist genau das Richtige für die Märchen. Ich nahm also Papier und Stift und erklärte mich bereit für ein Märchen, das dann auch sogleich floss. Nach vier Märchen war das kleine Büchlein voll. Also musste ein Neues her.
In der Zwischenzeit hatte ich aus dem Büchlein auch vorgelesen. Und die Kommentare waren einhellig: Das ist zu schade, nur irgendwo im Dunklen zu sein. Veröffentliche es doch. Hm, ja, so hatte ich mir das eigentlich nicht gedacht. Aber, wie es so im Leben geht – es wird wohl nicht lange dauern, bis es auch dieses Büchlein gibt.
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